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Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung

Novelle zum Anstellungserfordernisgesetz

 

 

 

Der Faktencheck zur Novelle vom 14.10.2020

 

Kriterien und Auflagen im Steiermärkischen Anstellungserfordernisgesetz

·         Die Erhalterin/der Erhalter muss das vorhandene pädagogische Fachpersonal (mit dessen Einwilligung) bis zum maximal möglichen Stundenausmaß beschäftigen.

·         Bei Vorliegen aller sonstigen Voraussetzungen wird eine solche Ausnahmebewilligung primär nur für den Nachmittag (also in Ganztagsgruppen nach einer Öffnungszeit von 6 Stunden) erteilt.

·         Im Fall einer fehlenden Pädagogin/eines fehlenden Pädagogen am Vormittag muss die Erhalterin/der Erhalter daher zunächst versuchen, Personal umzuschichten.

·         In eingruppigen Einrichtungen muss die pädagogische Leitung über die gesetzlich erforderliche 2-jährige Verwendung im einschlägigen Fachdienst verfügen. Eine doppelte Ausnahmegenehmigung kann jedenfalls nicht erteilt werden.

·         Die Erhalterin/der Erhalter muss ausreichende Nachweise (z.B. Ausschreibung, Suche über AMS, Bewerbungsunterlagen usw.) vorlegen, aus denen hervorgeht, dass keine ausgebildete Pädagogin/kein ausgebildeter Pädagoge zur Verfügung steht, eine Glaubhaftmachung reicht hier nicht aus. An die Qualität der Nachweise werden hohe Ansprüche zu stellen sein.

·         Die Ausnahmegenehmigung kann nur befristet, längstens für ein Kinderbetreuungsjahr, im Einzelfall aber auch kürzer, erteilt werden.

·         Die Möglichkeit der Erteilung einer Ausnahmegenehmigung gilt nur für 2 Jahre, in der Novelle ist daher vorgesehen, dass die Änderung mit Ablauf von 2 Jahren ab Inkrafttreten automatisch außer Kraft tritt.

 

 

Ausnahmegenehmigungen werden für folgende Personen erteilt:

Gesetzestext Ausnahmegenehmigungen für Personengruppen Kinderbildung- und Betreuung

 

 

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Wie siehts in Wien, Niederösterreich, Kärnten und Co aus? Eine Querschnitts-Recherche durch die anderen acht Bundesländer

 

 

Wien

Landesrecht konsolidiert Wien: Gesamte Rechtsvorschrift für Fachliche Anstellungserfordernisse für Kindergartenpädagogen/Kindergartenpädagoginnen und Hortpädagogen/Hortpädagoginnen, Fassung vom 31.07.2015

§3: Für die Fälle, in denen keine geeignete Person zur Verfügung steht, welche die in Betracht kommenden, auf Grund des § 2 vorgeschriebenen Anstellungserfordernisse erfüllt, gelten für die auf die Dauer dieser Voraussetzung stattfindende Verwendung in einem kündbaren Dienstverhältnis, das keinen Anspruch auf Umwandlung in ein unkündbares Dienstverhältnis gibt, folgende Anstellungserfordernisse als ausreichend:

1.      Für die Verwendung an Kindergärten: hinreichende Erfahrung in der Erziehung und Betreuung einer Gruppe von Kleinkindern und Nachweis einer Hospitier- oder Praxiszeit von vier Wochen in einem Kindergarten

Nachzulesen hier: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrW&Gesetzesnummer=20000104&FassungVom=2015-07-31

 

 

Niederösterreich

Landesrecht konsolidiert Niederösterreich: Gesamte Rechtsvorschrift für NÖ Kindergartengesetz 2006, Fassung vom 20.10.2020

Aufgrund des Systems in NÖ ergibt sich die Thematik nicht, da hier von vornherein nur am Vormittag PädagogInnen zum Einsatz kommen und nachmittags BetreuerInnen.

Bildungsstunden: 20

Erziehungs-, Betreuungsstunden: 13

Vorbereitungsstunden: 5

Organisationsstunden: 2

Nachzulesen hier: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160601_OTS0242/noe-landeskindergaerten-hohe-qualitaet-bei-betreuung-und-paedagogik

 

 

Oberösterreich

Gesamte Rechtsvorschrift für . Kinderbildungs- und -betreuungs-Dienstgesetz, Fassung vom 01.09.2014

§ 6 Ausnahmen vom fachlichen Anstellungserfordernis: Für die Fälle, in denen keine geeignete Person zur Verfügung steht, die die Anstellungserfordernisse (§§ 4 und 5) erfüllt, werden für die auf die Dauer dieser Voraussetzung stattfindende Verwendung in einem kündbaren Dienstverhältnis, das keinen Anspruch auf Umwandlung in ein unkündbares Dienstverhältnis gibt, folgende Anstellungserfordernisse als ausreichend anerkannt:

1.      für die Verwendung in Krabbelstubengruppen: hinreichende Erfahrung in der Bildung, Erziehung, Betreuung und Pflege einer Gruppe von Kindern unter drei Jahren und Absolvierung einer Hospitier- oder Praxiszeit von vier Wochen in einer Krabbelstubengruppe und einer facheinschlägigen Grundausbildung gemäß § 11 Abs. 2 . KBG

2.      für die Verwendung in Kindergartengruppen: hinreichende Erfahrung in der Bildung, Erziehung und Betreuung einer Gruppe von Kindern von drei Jahren bis zur Einschulung und Absolvierung einer Hospitier- oder Praxiszeit von vier Wochen in einem Kindergarten und einer facheinschlägigen Grundausbildung gemäß § 11 Abs. 2 . KBG

Nachzulesen hier: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrOO&Gesetzesnummer=20000775&FassungVom=2014-09-01

Nachzulesen „facheinschlägige Grundausbildung“ hier: https://www.seminar.at/contator/seminaron/typen.asp?typnr=18936

 

 

Salzburg

Gesamte Rechtsvorschrift für Salzburger Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz 2019, Fassung vom 20.10.2020

§ 28, Fachliche Anstellungserfordernisse für (sonder)pädagogische Fachkräfte (8): Bei einem Mangel an pädagogischen Fachkräften für Kindergartengruppen gemäß Abs 1 können in Kindergartengruppen zeitlich befristet, höchstens jedoch auf die Dauer des Kinderbetreuungsjahres, auch solche Personen als pädagogische Fachkräfte eingesetzt werden, welche die Anstellungserfordernisse gemäß Abs 3 erfüllen:

1.einer der im Abs 1 und 2 angeführten Ausbildungen;

2.Diplomprüfung oder Bachelorprüfung des Hochschulstudiums der Pädagogik/Erziehungswissenschaften;

3.Diplomprüfung oder Bachelorprüfung des Hochschulstudiums der Psychologie;

4.Diplomprüfung der Akademie für Sozialarbeit oder Diplomprüfung oder Bachelorprüfung der Fachhochschule Soziale Arbeit.

Nachzulesen hier: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrSbg&Gesetzesnummer=20001217

 

 

Tirol

Gesamte Rechtsvorschrift für Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz, Tiroler, Fassung vom 20.10.2020

§ 32 Zeitlich befristete Verwendung, Verwendung in bestimmten Zeiten (1) Stehen entsprechend qualifizierte Bewerber (§ 31 Abs. 1) nachweislich nicht zur Verfügung, so dürfen im Rahmen von kündbaren Dienstverhältnissen, die keinen Rechtsanspruch des Dienstnehmers auf Umwandlung in ein unkündbares Dienstverhältnis begründen, auch verwendet werden:

a)als pädagogische Fachkräfte in Kinderkrippen- und Kindergartengruppen Personen, die über eine mindestens einjährige Erfahrung in der Erziehung und Betreuung einer Gruppe von Kleinkindern verfügen

Nachzulesen hier: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrT&Gesetzesnummer=20000439

 

 

Vorarlberg

Gesamte Rechtsvorschrift für Kindergartengesetz, Fassung vom 20.10.2020

§ 14 Gruppengröße (2): Solange geeignete Kindergartenpädagoginnen (Kindergartenpädagogen), die nach § 6 Abs. 1 fachlich befähigt sind, nicht zur Verfügung stehen, können abweichend von Abs. 1 in den Randzeiten (§ 16 Abs. 3) oder auch sonst an deren Stelle Kindergartenassistentinnen (Kindergartenassistenten) eingesetzt werden, sofern sie über eine einschlägige Berufserfahrung von zumindest zwei Jahren verfügen und jedenfalls eine Hospitier- oder Praxiszeit von vier Wochen in einem Kindergarten absolviert haben. Ein Einsatz außerhalb von Randzeiten von mehr als drei Wochen ist der Landesregierung unter Glaubhaftmachung des Vorliegens der Voraussetzungen nach dem ersten Satz unverzüglich schriftlich anzuzeigen; liegen die Voraussetzungen nicht vor, kann die Landesregierung den Einsatz mit Bescheid untersagen.

Nachzulesen hier: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrVbg&Gesetzesnummer=20000333

 

 

Kärnten

Gesamte Rechtsvorschrift für Kärntner Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz - K-KBBG, Fassung vom 20.10.2020

§34 (1) Für die Fälle, in denen keine geeignete Person zur Verfügung steht, die die in Betracht kommenden, auf Grund der §§ 27 bis 29 und 31 bis 33 vorgeschriebenen Anstellungserfordernisse erfüllt, werden für die auf die Dauer dieser Voraussetzung stattfindende Verwendung folgende Anstellungserfordernisse als ausreichend anerkannt: a)         für die Verwendung in Kindergärten: eine Ausbildung gemäß § 30 und hinreichende Erfahrung in der Bildung, Erziehung und Betreuung einer Gruppe von Kindern.

§30: 430 Stunden Ausbildung zur Befähigung, um die Tätigkeit der KindergartenpädagogIn zu unterstützen.

Nachzulesen hier: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrK&Gesetzesnummer=20000229

 

 

Burgenland

Gesamte Rechtsvorschrift für Anstellungserfordernisse für Kindergärtner(innen) und Erzieher(innen), Fassung vom 20.10.2020

Für die Fälle, in denen keine geeignete Person zur Verfügung steht, welche die in Betracht kommenden, auf Grund des § 1 Abs. 1 vorgeschriebenen Anstellungserfordernisse erfüllt, werden für die auf die Dauer dieser Voraussetzung stattfindende Verwendung in einem kündbaren Dienstverhältnis, das keinen Anspruch auf Umwandlung in ein unkündbares Dienstverhältnis gibt, folgende Anstellungserfordernisse als ausreichend anerkannt:

1.für die Verwendung an Kindergärten:

hinreichende Erfahrung in der Erziehung und Betreuung einer Gruppe von Kleinkindern und Nachweis einer Hospitier- oder Praxiszeit von vier Wochen in einem Kindergarten;

2.für die Verwendung an Kindergärten, in denen die Betriebsdauer im Kalenderjahr vier Monate nicht übersteigt:

Erfahrung in der Betreuung von Kleinkindern und Besuch eines Einschulungslehrganges in der Dauer von mindestens zwei Wochen oder Nachweis einer Hospitier- und Praxiszeit von vier Wochen in einem Ganztagskindergarten

Nachzulesen hier: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrBgld&Gesetzesnummer=10000506

 

 

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Appell unserer pädagogischen Leiterin Mag. Bettina Schoeller

 

Fakten statt Fake News 📌 Klarheit statt Polemik 📌 Miteinander statt Gegeneinander 📌

Was wir in der Kinderbetreuung jetzt brauchen.

 

Leider sind schon von Anfang an verkürzte „Halbwahrheiten“ in dieser Diskussion (offenbar gelenkt von Presseaussendungen der KPÖ) die Basis der Argumentation. Und trotz vieler umfangreicher Stellungnahmen und Analysen unsererseits und unserer Bitten, den redaktionellen Blickwinkel zu öffnen, hat sich DER STANDARD entschieden, die polemische und einseitige Berichterstattung aufrechtzuerhalten... leider. Diese Art der Berichterstattung führt nämlich nicht nur zu dem Eindruck, „Personen ohne abgeschlossene pädagogische Qualifikation“ würden (wie übrigens auch im Artikel falsch angeführt) Gruppen leiten und WIKI würde sich über diese „Nivellierung nach unten“ freuen. Anbei der Auszug aus dem aktuellen Steiermärkischen Anstellungserfordernisgesetz mit einer Auflistung aller zugelassener Personengruppen und deren notwendige pädagogische Qualifikation. Damit sollte klargestellt sein, dass die Kolleginnen nicht OHNE PÄDAGOGISCHE (!) Ausbildung oder nur mit einem 30 Stunden "Crash-Kurs" dann als PädagogInnen arbeiten. Das ist schlichtweg FALSCH!!!

 

Es wird weiters nicht ausreichend berichtet, dass Mittel des Bundes für den Ausbau von dringend notwendigen Kolleg-Plätzen im letzten Moment verwehrt wurden. So wurden im Herbst 2020 in der Steiermark trotz voller Auslastung mehrere Kolleg-Lehrgänge nicht finanziert.

 

Darüber hinaus wurde nicht angeführt, dass diese in der Steiermark geplante Praxis schon seit vielen Jahren in anderen Bundesländern gängig und gesetzlich verankert (!) ist. Es wird nicht erklärt, dass wir als Träger die Veränderungen unter anderem deshalb befürworten, weil wir Lösungen für unsere permanent durch Überstunden überforderten KollegInnen suchen, die Krankenstände und Schwangerschaften vertreten und dabei Gefahr laufen, selbst auszubrennen - um dringend notwendige Kinderbetreuungsplätze zu sichern. Wie laut wäre der Aufschrei, wenn weitere Gruppen geschlossen werden hätten müssen?

Persönlich betroffen macht mich aber, dass scheinbar viele Menschen vergessen, welchen wichtigen Part beispielsweise unsere Tageseltern und BetreuerInnen erfüllen. Sie werden hier als „nicht ausgebildete Berufsgruppe“ tituliert. Ohne selbst polemisch werden zu wollen - viele von uns wissen, dass die Zentralmatura in Mathematik nichts darüber aussagt, was für eine pädagogische Qualifikation jemand hat und wie gut er oder sie in der Praxis für die Betreuung und Bildung von Kindern geeignet ist.

 

Das Thema ist offenbar geeignet, um gezielt einen Streit zwischen politischen Lagern entfachen zu lassen. Wir als Menschen, die in der Kinderbetreuung tätig sind, sind meiner Meinung derzeit ein Spielball der Politik und laufen Gefahr, dass in interdisziplinäre Teams schon im Vorfeld ein Keil getrieben wird! Ich weiß den Einsatz und die Kompetenz von meinen BerufskollegInnen unglaublich zu schätzen - zugleich bin ich aber auch dankbar, dass KollegInnen mit entsprechender FACHQUALIFIKATION hoffentlich trotz dieser Diskussion bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und in dieser herausfordernden Situation ihren Part beitragen werden. Und das werden bei uns - wie bei anderen Trägern auch - keine Personen sein, die nur „einen 30-stündigen Kurs“ gemacht haben. Es werden KollegInnen sein, die bereits jetzt aktiv in den Einrichtungen sind, für die es bisher aber keine gesetzliche Grundlage für ihren Einsatz gibt. Es werden KollegInnen sein, die höchst qualifiziert sind, die Praxiserfahrungen haben und mit den Teams zusammenarbeiten in dieser Zeit, in der es einen ganz besonders hohen Bedarf gibt.

 

Man sollte eigentlich davon ausgehen, dass wir 2020 gelernt haben, gemeinsam das Beste aus einer Situation zu machen. Vielleicht gelingt es uns noch in diesem Thema.

 

Hier geht’s zum Standard-Artikel vom 13.10.2020:

https://www.derstandard.at/story/2000120887413/kindergartenpaedagoginnen-gesucht-aber-was-duerfen-sie-kosten?fbclid=IwAR2f0EnfjR5ME-iY1xuasun9XOhZsLK2EmmVRNHV1VKm0BxN7qmzLn_LEac

 

 

WIKI Kindergarten Kinderkrippe Novelle Gesetzesänderung Personalmangel

 

 

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Stellungnahme, 06.10.

 

Einige Kinderbetreuungsträger der Steiermark haben sich für eine Trägerinitiative zusammengeschlossen, die das besonders akute Problem des Personalmangels thematisiert: Die Situation des Fachkräftemangels in der Elementarpädagogik ist ohnehin bereits schwierig, was vor allem durch die fehlende gesellschaftliche Anerkennung einer kompletten Berufsgruppe und die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten für den zweiten Bildungsweg bedingt ist. Die Ausbildungsregelungen in der Elementarpädagogik werden von der Bundesregierung definiert und werden derzeit neu diskutiert - jedoch ist eine Veränderung der Situation nicht so zeitnah zu erwarten, wie es in der Praxis nötig wäre.

 

Der akute Personalmangel hat sich aktuell jedoch einerseits durch gesetzliche Veränderungen (zB verpflichtende LeiterInnenfreistellung) und zuletzt nochmals massiv durch die Coronakrise (zahlreiche ausfallende Kolleginnen, das faktische Berufsverbot für Schwangere und die Verzögerung von Ausbildungsabschlüssen) verschärft: Derzeit sorgen die Auflagen für Personalschlüssel in den Gruppen - insbesondere in Aushilfssituationen - dafür, dass Gruppen beim Ausfall eines Pädagogen oder einer Pädagogin quasi vor der Schließung und die Familien ohne Kinderbetreuung dastehen. Dies gilt es natürlich unbedingt zu verhindern.

Die derzeit in der Praxis umsetzbaren Mittel sind jedoch nur die interne Abdeckung der „Lücken“ mit massiven Überstunden der Kolleginnen oder die Rückstufung einer Ganztagesgruppe auf Halbtag, während nachmittags über den § 13 eine „eine Betreuung außerhalb der Öffnungszeiten“ installiert wird, die von weitaus geringer ausgebildeten Personen betreut werden darf. Der/die gruppenführende PädagogIn hat hier wenige Möglichkeiten, ein zusammenhängendes pädagogisches Konzept über den ganzen Tag sicherzustellen. Die Auswahl dieser Personen ist an keine offiziellen gesetzlichen Regelungen gebunden, eine pädagogische Qualität kann hier höchstens durch die Vorauswahl der Träger selbst sichergestellt werden, steht jedoch auf keiner gesetzlichen Grundlage.

Diese beiden Lösungen sind für das Land Steiermark sicherlich die „günstigeren“, haben jedoch einerseits eine Überforderung der Kolleginnen in den Einrichtungen und andererseits einen möglichen pädagogischen Qualitätsverlust zur Folge.

Um genau dies zu verhindern, wurde von den Kinderbetreuungsträgern im Namen der Kolleginnen, die in den Einrichtungen dringend Unterstützung benötigen, ein Hilferuf an die Landesregierung ausgesandt, die diesen ernst genommen hat. Es soll eine gesetzliche Grundlage dafür geschaffen werden, dass geeignete (!) pädagogisch ausgebildete Personen mit einer Zusatzqualifikation eine Ausnahmeregelung (!) erreichen können, um befristet (!) an der Stelle eines/r Pädagogen/Pädagogin in der Gruppe eingesetzt werden zu können. Dies soll nur in jenen Ausnahmefällen gewährt werden, in denen nachweislich keinE geeigneteR PädagogIn gefunden werden kann. Verankert werden soll außerdem, dass ein solcher Einsatz primär nachmittags gewährt werden soll, damit vormittags eine durchgehende Betreuung durch ElementarpädagogInnen sichergestellt werden kann.

 

Was bisher also faktisch bereits stattfindet (pädagogische Betreuung vormittags, Betreuung durch geeignete Personen nachmittags), soll auf eine gesetzliche Grundlage gehoben werden, um die pädagogische Qualität sicherstellen zu können. Dies stellt einen ungleich höheren Aufwand für das Land Steiermark für die Ausbildung und Auswahl der Personen, die Gewährung der Personaldispensen und die Gewährung von Fördergeldern dar. Aus Sicht der beiden antragstellenden Parteien und auch aus unserer Sicht als Träger sind dies jedoch Investitionen in eine hohe pädagogische Qualität, in die Gesundheit unserer bestehenden KollegInnen und in eine möglichst bedarfsdeckende Kinderbetreuungslandschaft der Steiermark.

Dass jene konstruktiven Lösungsansätze für ein praktisches Problem nun so massiv kritisiert werden und unsere KollegInnen persönlich mit unwahren Behauptungen (z.B. der Aussage, die Landesregierung wolle sich mit der Zusatzausbildung Geld sparen) per Mail kontaktiert werden, ist eine zusätzliche Belastung der gesamten Situation und auch unserer dadurch verunsicherten KollegInnen, die vor allem die Sicherheit brauchen, ihre Gruppen weiterhin und möglichst geregelt in pädagogisch hoher Qualität führen zu können.