6 Fragen an...

Bernhard Ederer,

WIKI Obmann

 

 

WIKI Obmann Bernhard Ederer

 

 

In der steirischen Kinderbetreuungslandschaft hat sich seit dem Jahr 2008 viel verändert - und für einen großen Anteil an den positiven Veränderungen ist Bernhard Ederer verantwortlich, seit nunmehr 10 Jahren Obmann von WIKI.

Er ist den WIKIanern bekannt als korrekter und ordnungsliebender Zahlenmensch, der gleichzeitig eine faszinierende Kreativität und Verspieltheit an den Tag legen kann - eine Kombination, die ihn wie geschaffen für seine Funktion macht.

 

Wir haben ihm zu seinem „Jubiläum“ ein paar Fragen gestellt:

 

Vor 10 Jahren wurden Sie WIKI-Obmann und haben damit eine ungemein wichtige Rolle übernommen. In dieser Zeit hat sich auch die Kinderbetreuungslandschaft der Steiermark verändert. Welche Herausforderungen haben sich in dieser Zeit politisch und gesellschaftlich entwickelt? Wo wurden Verbesserungen erzielt?

 

Man glaubt kaum, wie die Kinderbetreuungslandschaft 2008 ausgesehen hat: Vor 10 Jahren waren flächendeckende Nachmittagsbetreuungen oder Kinderkrippen kaum üblich. Ich hatte damals viele Eltern bei mir, die mich um Hilfe gebeten haben, weil es keine Plätze gegeben hat. Das ist heute ganz anders, wir haben eine gute Abdeckung.

 

Wenn ich an die politischen und gesetzlichen Entwicklungen denke, dann fällt mir ein: 2008 wurde der Gratis-Kindergarten eingeführt, der wenige Jahre später wieder abgeschafft wurde, weil er einfach von Seiten der öffentlichen Hand nicht finanzierbar war. In den letzten 10 Jahren gab es aber auch eine besonders gezielte und hohe Baukostenförderung für Kinderbetreuungseinrichtung, die die Errichtung vieler Einrichtungen ermöglicht hat.

Auch das verpflichtende Kindergartenjahr und die Sozialstaffel sind in diesen letzten 10 Jahren eingeführt worden. Vor allem die Sozialstaffel finde ich sehr wichtig, weil Kinderbetreuung einfach leistbar gemacht werden muss.

 

Herausforderungen gibt es natürlich auch: Der Fachkräftemangel hat in den letzten Jahren klar zugenommen und ist natürlich auch für uns ein Thema. Gottseidank gibt es hier viele Ansätze, um dem entgegenzuwirken und wir nehmen diese Herausforderung auch gerne an. 

Gesellschaftlich gab es auch Entwicklungen, die Auswirkungen auf die Elementarpädagogik haben: Mehr Kinder als früher haben Migrationshintergrund und kommen aus anderen Kulturkreisen. Das kann sehr bereichernd sein, gibt der Elementarpädagogik aber auch neue Aufgaben auf: Die sprachliche Entwicklung muss zum Beispiel gerade in dieser Zeit vor dem Schuleinstieg gefördert werden.

Auch das Bewegungsdefizit der Kinder wurde in den letzten Jahren immer deutlicher.

 

 

Zwei Kinder spielen bei WIKI im Garten

 

Fest der Eröffnung WIKI Kindergarten

Zwei Kinder beim Fussballspielen

 

Apropos Bewegung: Sport und Bewegung standen für Sie von Anfang an besonders im Fokus bei WIKI. Dieser Schwerpunkt wurde auch in die Tat umgesetzt, mittlerweile spielt die tägliche Bewegung in den Einrichtungen eine große Rolle. Außerdem gibt es Schi- und Schwimmkurse, den Kletterpark, das City Adventure Center und unzählige weitere Möglichkeiten für Hobby-, Leistungs- und Gesundheitssport bei WIKI. Wieso ist dieses Thema für Sie so wichtig?

 

Man merkt in den letzten Jahren klar das steigende Bewegungsdefizit von Kindern. Dazu kommt jedoch auch noch, dass die Betreuungszeiten länger werden und die Kinder immer früher in Betreuungseinrichtungen sind, auch unter 3 Jahren.  Je mehr Zeit die Kinder in unseren Einrichtungen verbringen, desto wichtiger sind Punkte wie Bewegung und Ernährung - das sind Elemente, die Kinder „früher“ eher zuhause mitbekommen haben, nun sind wir in der Elementarpädagogik stärker dafür verantwortlich.

 

Ich finde auch besonders wichtig, dass Kinder schon früh an viel Bewegung gewöhnt werden - das erleichtert auch später das Integrieren von Bewegung in den Alltag. Wir haben in den letzten 10 Jahren unter anderem den ersten Bewegungskindergarten eröffnet, aber nicht nur in der Elementarpädagogik gibt es den Sport-Fokus bei WIKI: Wir haben auch den Kletterpark errichtet und die Sporthalle gebaut. Und für die beliebten WIKI-Schikurse haben wir mit dem Präbichl einen tollen neuen Standort gefunden. Es ist also schon viel weitergegangen.

 

Der Elementarpädagogik wird heute eine größere Bedeutung zugemessen als noch vor 10 Jahren. Was hat sich hierbei verändert? Welche Aufgaben sehen Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Eltern in der Elementarpädagogik?

 

Unsere Einrichtungen haben sich klar von der Betreuungseinrichtung zur Bildungseinrichtung weiterentwickelt - auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben.

Für mich ist klar: Bildung beginnt nicht erst beim Lesen- und Schreiben-Lernen in der Schule, sondern schon beim Erlernen von sozialen Fähigkeiten, der persönlichen Entwicklung, der Vermittlung von Werten, dem Umgang mit Sprache, Musik, Bewegung, Natur, Ernährung und Gesundheit.

Ich glaube, den Menschen ist heute bewusster als früher, dass mit der Elementarbildung die Gesellschaft der Zukunft geprägt wird.

 

Auch im Unternehmen selbst hat sich seit Beginn Ihrer Amtszeit sehr viel getan. Der Mitarbeiterstand hat sich in Ihrer Amtszeit verdreifacht, zahlreiche Einrichtungen wurden eröffnet. Wird es so weitergehen, soll es so weitergehen?

 

Nachdem der Bedarf schon sehr gut gedeckt ist, wird es in den nächsten Jahren nicht mehr so einen starken Anstieg an Neueröffnungen geben. Im Jahr 2010 haben wir einmal zu Schulbeginn 36 Gruppen eröffnet - das geht natürlich nicht jedes Jahr und ist auch gar nicht mehr notwendig. Wo es in den nächsten Jahren noch einen größeren Bedarf gibt, das sind die Kinderkrippen.

 

Den Schwerpunkt werden wir auch in den nächsten Jahren weiterhin auf den Ausbau des Sportbereichs legen. Zurzeit wird zum Beispiel eine größere Skaterhalle geplant und wir möchten uns noch mehr auf den Tanzsport fokussieren.

 

 

Neubau WIKI Sportzentrum - Eröffnung

 

Jahresauftakt WIKI Adventure Park

Skate bei WIKI in der Xciting Funhall

 

In diesen 10 Jahren ist wirklich viel passiert - gibt es für Sie besondere Highlights? Worauf sind Sie stolz?

 

Besondere Highlights sind für mich wie schon genannt die Umsetzung des Sportzentrums und der Ausbau des ganzen Sportbereichs. Darüber hinaus haben wir das betreute Wohnen komplett neu aufgebaut.

Eine Besonderheit bei WIKI ist auch die Zentrale mit einer schlanken und effizienten Verwaltung, die dadurch auch kostengünstig ist. Das macht uns für Gemeinden und Unternehmen natürlich sehr attraktiv und wir können einen großen Bedarf an Betreuungseinrichtungen abdecken. Unternehmen wie die Theater Holding, Knapp, Styria, voestalpine oder die Andritz AG vertrauen auf unsere Qualität und nutzen die Betreuungseinrichtungen als Vorteil für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

 

WIKI ist heute mehr als „nur“ der größte private Anbieter von Kinderbetreuungseinrichtungen, es ist eine Qualitätsmarke. Wir haben mit den Einrichtungen Arbeitsplätze geschaffen und gesichert - aber auch indirekt durch die bessere Versorgung mit Kinderbetreuungseinrichtungen viele Arbeitsplätze für Eltern ermöglicht.

 

Wenn ich an die letzten 10 Jahre denke, muss ich aber auch daran denken, wie gut unsere ganzen Ideen und die Umsetzungen immer funktioniert haben und das liegt zu einem großen Teil an unserem Vorstand. Die Mitglieder des Vorstands haben mir immer ihr Vertrauen geschenkt und meine Ideen bisher immer einstimmig angenommen. Das ist natürlich wahnsinnig viel wert und macht es mir auch möglich, meine Begeisterung für kreative neue Ideen auszuleben.  

 

Worauf ich aber ganz besonders stolz bin: Bei WIKI wurde und wird beste und höchste Qualität mit exzellenter Teamarbeit umgesetzt - dabei werden aber nie Verspieltheit, große Freude an der Tätigkeit und der Spaß vergessen. Ich möchte den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bei WIKI wirklich dafür danken, dass sie mit so viel Herz ihren Beruf ausüben und diese Balance aus Effizienz und Freude jeden Tag schaffen.

 

 

Zum Abschluss die vielleicht wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen eigentlich selbst bei Ihrem Rückblick? Sind Sie zufrieden oder sehen Sie vor allem in die Zukunft und darauf, was noch alles erreicht werden soll?

 

Ich denke natürlich schon, dass ich auch zufrieden sein kann. Aber ich sage immer: Wer nicht besser werden will, wird nie gut sein. Sich jetzt auszuruhen, wäre für mich keine Alternative, im Gegenteil: Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und die Umsetzung von neuen Ideen, mit denen man so richtig etwas „bewegen“ kann.