Tipps zum „Home Parenting

 

 

Vorab: Derzeit beherrschen zwei sehr wichtige Appelle an alle Menschen die Medien.

Einerseits der Aufruf, einfach zu Hause zu bleiben, die Maßnahmen ernst zu nehmen und doch einzusehen, dass es nicht schwer sei, einfach auf der Couch zu bleiben.

Andererseits gibt es zum Glück ein großes Bewusstsein für die „systemrelevanten“ Berufe und ihre Höchstleistungen, wie sie auch unsere Pädagog_innen und Betreuer_innen in dieser herausfordernden Zeit erbringen.

 

Viele Eltern fühlen sich hierbei jedoch etwas alleine: Einerseits ist „einfach zuhause auf der Couch bleiben“ vielleicht für kinderlose Singles oder Paare einfach, für die meisten Familien ist es jedoch eine große Herausforderung. Die räumliche Nähe, die ständig notwendige Aufmerksamkeit, das Nie-Abschalten-Können sind immense Anstrengungen, die Eltern derzeit auf sich nehmen, um unsere Gesellschaft zu schützen. Deshalb gilt unser großer Dank auch und gerade Ihnen: Sie sind systemrelevant und Ihre Investition in das herausfordernde Projekt, Kinder 24 Stunden zuhause zu betreuen, ist eine der wichtigsten Maßnahmen überhaupt, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

 

Es wird zwar mittlerweile bereits thematisiert, dass die ständige Nähe und die Beengung der eigenen vier Wände eine Herausforderung für Familien darstellen kann. Zu wenig wird aber derzeit noch auf konkrete Tipps für das Elternsein selbst eingegangen. Analog dazu, wie es auch konkrete Tipps für mehr Effizienz, Konzentration und Wahrung der Work-Life-Balance im Home Office gibt, muss es daher auch konkrete Tipps für die Umsetzung des „Home Parenting“ geben.

 

 

   

 

 

Kinder „beschäftigen“ - bewusst Zeit schaffen, in denen sie weniger Aufmerksamkeit brauchen

 

Wir wissen, es ist leichter gesagt als getan - aber suchen Sie nach ganz konkreten Möglichkeiten, um Ihre Kinder je nach Alter und Möglichkeiten auch mit aufwendigeren Arbeiten und Beschäftigungen zu versorgen. Unsere Sammlungen von Materialien helfen Ihnen hoffentlich dabei. Die folgenden Tipps sollen noch weiter unterstützend wirken:

 

Die Kinder „einteilen“:

Neben der Möglichkeit, während der Beschäftigung der Kinder einmal durchzuschnaufen, ist es für den Tagesablauf von großem Vorteil, wenn Kinder auch etwas „ungeliebtere“ Aufgaben wahrnehmen müssen, damit sie sich dann in ihrer „Freizeit“ auch wieder jenen Dingen widmen können, die sie lieber machen. Das können für größere Kinder die Mithilfe im Haushalt oder Schulaufgaben sein.
Wer schon den ganzen Vormittag die Lieblingsserie sehen durfte, dem wird am Nachmittag langweilig sein. Das passt vielleicht genau für jene Eltern, die am Vormittag Ruhe zum Arbeiten brauchten und nachmittags etwas in den Garten gehen können. Die Balance aus Lieblingsbeschäftigungen der Kinder und neuen Beschäftigungen muss aber gut geplant und mit den eigenen Ressourcen und Bedürfnissen abgestimmt sein.

 

Nutzen Sie die Möglichkeiten der Kommunikationstechnologie:

Telefonate mit den Großeltern sind ab einem gewissen Alter eine gute Möglichkeit, um als Elternteil kurz verschnaufen zu können. Natürlich wird sich eine Dreijährige keine halbe Stunde über ihre Erlebnisse des bisherigen Tages mit Oma austauschen. Aber viele gemeinsame kleine Beschäftigungen wie Vorlesen sind auch über Telefonie oder Videotelefonie möglich und der ersehnte Kontakt kann wenigstens digital erzeugt werden.

 

Größere Kinder können mit der technischen Unterstützung der Eltern auch Videotelefonate und sogar Gruppenkonferenzen mit ihren besten Freunden und Freundinnen führen. Auch das kann für Verschnaufpausen und die oft so dringend gewünschten sozialen Kontakte sorgen.

 

Verringern Sie Leistungsdruck:

Lassen Sie nicht zu, dass zu große Ansprüche an Ihre „Leistung“ als Eltern entstehen - weder von außen noch von Ihnen selbst. Ihr wichtigster Anspruch sollte sein, die Umstände für Ihre ganz spezielle Familie und ganz persönliche Situation zu optimieren. Wenn das bedeutet, dass intensives Homeschooling am Vormittag den Tagesablauf für alle erleichtert und die Kinder dann nachmittags froh sind, endlich ihren eigenen Hobbys nachgehen zu dürfen - gut. Wenn es bedeutet, dass das Lernen jetzt mal außen vor gelassen wird, weil es Eltern und Kinder stresst, ist das genauso gut und nicht als „geringere Leistung“ zu bewerten. Besprechen Sie mit der Familie, was Ihnen in Ihrem Familienalltag derzeit am besten tut - Loslösung von einem Zwang zur Produktivität oder eher die bewusste Beschäftigung.

 

 

   

 

 

Zusammenarbeiten mit den anderen Betreuungspersonen im Haushalt

 

Leider gibt es Alleinerziehende, die ganz auf sich alleine gestellt sind und nicht auf im Haushalt lebende Mit-Betreuer_innen und den anderen Elternteil zurückgreifen können. Für sie ist die Balance aus Eltern-Sein und Zeit für sich kaum zu schaffen. Bitte holen Sie sich jede Unterstützung, die Sie bekommen können!

 

Für alle Eltern, die sich die Betreuung der Kinder und die sonstigen Haushaltspflichten miteinander oder mit anderen Betreuenden im Haushalt aufteilen können, gelten die folgenden Tipps:

 

Erarbeiten Sie Zuständigkeiten und/oder Zeitpläne:

Wenn sich ständig alle Erwachsenen für alles verantwortlich fühlen, entsteht nie der Eindruck, mal durchschnaufen zu können. Setzen Sie sich daher zusammen, notieren Sie alle To dos und Verantwortlichkeiten, die täglich anfallen und planen Sie die Aufteilung, damit auch immer wieder Phasen im Tagesablauf entstehen, in denen man sich bewusst auf eine Sache konzentrieren und die verschiedenen Bereiche besser voneinander trennen kann.

 

Planen Sie fair und teilen Sie sich Pflichten auf:

Oft sind die häuslichen Pflichten ungleich aufgeteilt. Egal, ob es sich einfach so ergeben hat oder ob Einigung darüber besteht, dass ein Elternteil mehr häusliche Tätigkeiten und Kinderbetreuung übernimmt als der andere: In der derzeitigen Situation ist es wichtig, sich die Pflichten fair und oftmals auch neu aufzuteilen. Schmeißen Sie bisherige Verantwortlichkeiten über Bord, es besteht eine Ausnahmezeit und alle müssen zusammenhelfen.

 

 

Auf sich selbst achten - nicht nur auf die Arbeit, den Haushalt und die Bedürfnisse der Kinder

 

Wer von zuhause aus arbeitet und durch die Tagesversorgung der Kinder noch mehr im Haushalt zu tun hat als sonst (aufräumen, Essen zubereiten, Einkäufe organisieren), befindet sich ständig im Arbeits-, Mama-/Papa- oder Haushaltsmodus. Pflegen Sie bewusst Ihren ganz persönlichen Ich-Modus! Und das ist alles andere als egoistisch: So können Sie für Ihre Familie da sein und Kräfte tanken.

 

Leistungs-/Produktivitätsdruck verringern:

Dasselbe wie bei der Kinderbetreuung und beim Home Schooling gilt für Sie ganz persönlich: Derzeit wird man von Tipps erschlagen, wie man die Zeit zuhause jetzt ideal nutzen kann und was man in dieser Zeit alles leisten, erreichen und lernen kann. Und auch hier gilt: Wenn Ihnen persönliche Projekte wie „Stricken lernen“, „mehr lesen“ oder „endlich den Kasten neu sortieren“ helfen, ist das eine wunderbare Methode, um sich wohler zu fühlen. Lassen Sie sich aber keinesfalls von dem allgemeinen „Produktivitätsdruck“ stressen! Wenn Sie in der Zeit, die Sie sich aktiv für sich nehmen können, vielleicht einfach nur schlafen, fernsehen oder Ihr Lieblingsspiel am Handy spielen wollen, dann ist das ganz genauso legitim und wichtig. Tun Sie genau das, was Ihnen gut tut.

 

Holen Sie sich Unterstützung:

Aktuell werden zahlreiche Online- und Telefonie-Beratungsangebote geschaffen und verstärkt. Nutzen Sie sie! Ihre Fragen, Ihre Probleme oder Ihr Bedürfnis nach Austausch ist in dieser herausfordernden Zeit NIE zu gering, als dass man sich nicht bewusst dabei helfen lassen könnte. Es gibt auch zahlreiche Angebote, die man ohne persönlichen Kontakt „konsumieren“ kann, wie Videos, Webinare und Materialien von Elternberatungen.

 

Tauschen Sie sich aus:

Nutzen auch Sie die Möglichkeiten der Kommunikationstechnologie und organisieren bzw. nutzen Sie Online-Elternrunden. Sie haben normalerweise eine Runde aus Spielplatzmamas? Sie gehen mit anderen Eltern aus dem Tanzkurs gerne einen Kaffee trinken? Trinken Sie Ihren Kaffee gemeinsam online und setzen Sie sich dafür bewusst konkrete Zeiten fest.