„Frühkindliche Bindung hat einen wesentlichen Einfluss auf den Lernerfolg.“

 

 

 

 

Mag. Bettina Schoeller

 

 

 

 

Als größter privater Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen in der Steiermark hat WIKI nicht nur einen Betreuungs-, sondern vor allem einen Bildungsauftrag. Wie Bildung in der Elementarpädagogik funktioniert und was das wiederum mit Bindungshormonen zu tun hat, beschreibt die pädagogische Leiterin und GF Bettina Schoeller im Interview.

 

 

„Gemeinsam die Welt erleben“ - das ist der Slogan bei WIKI. Ihre fünfjährige Tochter besucht auch einen WIKI-Kindergarten. Wie sehen Sie das als Mutter, wird das in den Einrichtungen auch gelebt?

Absolut. Wenn ich meine Tochter abhole, hat sie mir jeden Tag unheimlich viel zu erzählen und ich bin immer erstaunt davon, wie die Pädagoginnen und Betreuerinnen die Welt wirklich gemeinsam mit den Kindern entdecken. In diesem Wort „gemeinsam“ steckt so eine wichtige Haltung: Die Kolleg_innen sind auf Augenhöhe mit den Kindern und Ihnen ist bewusst, dass sie selbst mithilfe der Kinder noch viel entdecken und erleben können. In so einer Atmosphäre funktioniert das Lernen ganz nebenbei und unbewusst.

 

 

Sie sprechen von einer guten Lernatmosphäre - wie kann man die in der Elementarpädagogik herstellen?

Eine wichtige Grundlage ist die Bindung der Pädagogen und Pädagoginnen mit den Kindern. Eine bekannte Regel der Elementarpädagogik lautet: „Bildungsarbeit ist Bindungsarbeit“, denn ohne gute und sichere Bindung ist es für Kinder dieses Alters schwierig, sich weiterzuentwickeln. Wenn Kinder Vertrauen haben, sich geborgen fühlen, werden Probleme und Hemmschwellen viel leichter aus der Welt geschafft und es bleibt genug Raum und Zeit für neue Entdeckungen, Erlebnisse und Entwicklungen.

 

Zwei Buben gehen Händchen haltend durch den Garten im WIKI Kindergarten

Zwei Mädchen zeichnen und basteln gemeinsam

 

 

Dass eine gute Bindung für weniger Stress sorgt und damit das Lernen erleichtert, klingt logisch. Aber ist das „nur“ eine Erfahrung aus der Praxis oder gibt es auch wissenschaftliche Erklärungen dafür?

Das wird auch durch die Forschung bestätigt: In der Neuropsychologie und -biologie wurden die Auswirkungen fehlender Bindung auf das kindliche Gehirn ausgiebig untersucht - und die Eindeutigkeit der Ergebnisse ist erstaunlich. Der Neurobiologe Jörg Bock hat nachgewiesen, dass frühkindliche emotionale Erfahrungen die funktionelle Entwicklung des Gehirns beeinflussen. Die Psychologen Jansen und Streit haben herausgefunden, dass das Bindungshormon „Oxytocin“ Lernen fördert und Lernerfolge verbessert.

 

 

Sie sind Psychologin, aber auch Unternehmerin, Elementarpädagogin und Mutter. Welcher dieser „Fachbereiche“ herrscht bei Ihnen persönlich vor, wenn bei WIKI Entscheidungen getroffen werden müssen?

Ich bin überzeugt davon, dass es die Mischung ausmacht. Natürlich müssen wir auch unternehmerisch denken, aber vor allem möchten wir für die Gesellschaft von morgen einen Beitrag leisten. Eine bedürfnisorientierte und individuelle Bildungsbegleitung ist dabei das wichtigste Ziel. Im Fokus stehen bei WIKI vor allem Bewegung, Sprache, Naturverbundenheit, Spiel und Gesundheit. Als Mutter kann ich immer wieder in die „Außenposition“ gehen und wahrnehmen, wie es vielleicht den Eltern unserer betreuten Kinder geht. Gleichzeitig kann ich als Kindergartenpädagogin auch die Herausforderungen für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gut nachvollziehen. Bei WIKI sind wir uns jedoch alle bewusst, dass Herausforderungen auch Chancen für gemeinsames Wachsen bedeuten. Mit diesem Blickwinkel gelingt unseren Kollegen und Kolleginnen tagtäglich eine verantwortungsvolle Betreuung, auf die wir sehr stolz sind.

 

Zwei Mädchen spiele im Garten eines WIKI Kindergartens

Eine Pädagogin liest zwei Mädchen aus einem Kinderbuch vor.